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Musikclip im russischen Fernsehen (rUFO) |
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Freitag, 20.12.2002
Telekiller, Star-Fabrik. Die russische Fernsehlandschaft (1)Von Karsten Packeiser, Moskau. Polizeireporter filmen die Verhaftung von Drogenhändlern, Terminator Schwarzenegger besiegt das Böse im Alleingang. Und jetzt will eine Fernsehshow den Sieger sogar zu einem Kurzbesuch auf der Internationalen Raumstation in eine Erdumlaufbahn schießen. Russisches Fernsehen ist laut, grell, bunt und viel aufregender, als gemeinhin im Westen angenommen wird.
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Vorbei sind die Zeiten, als die Russen den Tod eines weiteren greisen KP-Generalsekretärs zuerst dadurch erfuhren, dass das Staatsfernsehen plötzlich eine "Schwanensee"-Aufführung ins Programm hob.
In Russland fehlt der für Deutschland typische Grundkonflikt zwischen kommerziellen Privatsendern und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der einem Bildungs- und Informationsgebot verpflichtet ist. Sowohl staatliche als auch private Sender haben alle TV-Neuerungen des Westens ohne langes Zögern nachgeahmt. Gleichzeitig gelten vielen gerade die privaten Sender heute als Bastion unvoreingenommener Berichterstattung, während bei der staatlichen Konkurrenz viel zu oft der lange Arm des Kreml zu spüren ist.
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Einen Marktanteil von landesweit über zehn Prozent verbucht der halbstaatliche "1. Kanal", der bis vor kurzem unter dem Namen ORT auftrat. Er ist seit Sowjetzeiten der einflussreichste Fernsehkanal. Der Sender wurde zwischenzeitlich von dem umstrittenen Finanzmagnaten Boris Beresowskij kontrolliert. Unter Druck aus dem Kreml verkaufte Beresowskij seine ORT- Anteile inzwischen an seinen Geschäftsfreund Boris Abramowitsch.
Als während der Perestroika Russlands starker Mann Boris Jelzin immer häufiger mit KP-Chef Michail Gorbatschow aneinandergeriet, ließ er als Gegengewicht zum Gorbatschow-treuen Sowjetfernsehen einen ihm ergebenen Staatssender gründen, der sich bis vor kurzem RTR nannte und in diesem Jahr den Namen "Rossia" ("Russland") annahm.
Zwei Staats-Kanäle für alle Schichten
Sowohl der "1. Kanal", als auch "Rossia" verstehen sich als Sender für alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen. Mit vielen bunten Gala-Konzerten, Folklore-Sendungen und patriotischen Programmen wie dem Armee-PR-Programm "Ja sluschu Otetschestwu" ("Ich diene dem Vaterland") orientieren sich beide Sender nicht nur am Publikum in den großen Metropolen, sondern auch in der tiefen Provinz.
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Kriminalnachrichten bei Rossia (rUFO) |
Russlands erster großer Privatsender NTW machte sich ab Mitte der 90er Jahre vor allem durch kompetente und kritische Nachrichtensendungen und Informationsprogramme einen Namen. Der NTW-Gründer Wladimir Gussinskij verlor sein Vorzeigeprojekt im April 2001 nach einer rechtlich fragwürdigen Übernahme an den halbstaatlichen Gasprom-Konzern.
NTW hat kaum Qualität eingebüßt
Kritik an der Führung ist bei NTW zwar seitdem etwas leiser geworden. Der Sender hat aber insgesamt auch nach dem Weggang vieler bekannter Fernsehmacher nur wenig an Qualität eingebüßt. In Moskau liegt NTW in der Zuschauergunst fast gleich auf mit dem "1. Kanal" und "Rossia", belegt im Landesdurchschnitt aber deutlich hinter beiden Staatssendern den dritten Platz.
In der "zweiten Liga" der russischen Fernsehlandschaft spielt der Sender TWS, der von einer Gruppe russischer Geschäftsleute und Großindustrieller finanziert wird und bei dem heute ein Teil der einstigen NTW-Redaktion arbeitet. Das selbst gesteckte Ziel, im Nachrichtenjournalismus das Erbe des kritischen NTW anzutreten, hat TWS bislang nicht erreichen können.
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Talkshow (rUFO) |
STS setzt auf pure Unterhaltung
Der Privatsender STS des ukrainisch-russischen Medienmagnaten Alexander Rodnjanskij setzt auf Entertainment pur für ein hauptsächlich junges Publikum. Während der Moskauer Massengeiselnahme sendete STS zum ersten Mal in seiner Geschichte überhaupt auch Nachrichten. Vor allem in Moskau und in der Umgebung der Hauptstadt hat der Sender "TW-Zentr" eine größere Zuschauerschaft. Der Sender wird von der Moskauer Stadtregierung kontrolliert.
Einen bemerkenswerten Sonderstatus hat sich der Staatssender "Kultura" bewahren können. "Kultura" gehört der staatlichen Medienholding WGTRK an und ist ein absolut werbefreier Kultursender mit Kulturnachrichten, Theateraufführungen, Kindersendungen und Spielfilmen, wie sie in Deutschland bei den Dritten Programmen oder in den Spartenprogrammen 3sat und ARTE laufen. Kulturminister Michail Schwydkoi höchstpersönlich tritt regelmäßig bei dem Sender auf - als freilich etwas steifer Moderator der Talkshow "Kulturnaja Revoljuzija" ("Kulturrevolution").
Zusätzlich tummelt sich eine unüberschaubare Vielzahl privater und staatlicher regionaler Kanäle im russischen Fernseh-Äther, darunter auch solche Spartensender wie das russische MTV und der Musiksender Mus-TW.
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Kinderfilm (rUFO) |
Begrenzte Wahl außerhalb der Metropolen
Doch außerhalb der Metropolen bleibt die Wahl oft sehr beschränkt. Nicht nur in entlegenen Gebieten Sibiriens können Haushalte ausschließlich die staatlichen Sender "1. Kanal" und "Rossia" empfangen. TWS ist nicht einmal in Russlands zweitgrößter Metropole Sankt Petersburg zu sehen.
In den Teilgebieten senden regionale Staatssender teils stundenweise ein regionales Programm auf der Frequenz von "Rossia". Alle regionalen Sender unterstehen der WGTRK in Moskau. Ausnahmen bilden lediglich die Sender der autonomen Moslem-Teilrepubliken Tatarstan und Baschkirien, die sich auch in Fernsehfragen eine weitgehende Unabhängigkeit von Moskau ausgehandelt haben. In vielen autonomen Republiken gibt es Sendungen auch in den Sprachen der jeweiligen Titularvölker.
Keine Rundfunkgebühren
Rundfunkgebühren wie Deutschland gibt es in Russland nicht. Alle Sender sind deshalb auf eine Finanzierung durch Werbegelder und Investoren angewiesen. Der "1. Kanal", "Rossia" und "Kultura" können in begrenztem Umfang auf staatliche Hilfen bauen. Wie viel Geld die schwarzen Kassen der Sender erreicht, die als Gegenleistung bestellte positive Berichte über Politiker und Konzerne zeigen oder umgekehrt "Kompromat" kompromittierende Materialien -- über unliebsame Konkurrenten verbreiten, entzieht sich allen Schätzungen.
An der Bedeutung "politischer Gelder" für die Sender werde sich auch in der nächsten Zeit nicht viel ändern, glaubt WGTRK-Chef Oleg Dobrodojew. Von den Reklame-Einnahmen könnten nur der "1. Kanal" und "Rossia" sowie kleinere Kabelsender leben, erklärte er in einem Zeitungsinterview. Zwar ignorieren offenbar alle Sender zum Ärger der Zuschauer weiterhin die Vorschrift, dass der Ton während der Werbepausen nicht lauter sein darf als beim Hauptprogramm. Aber immerhin wurden in der letzten Zeit die Anfang der 90er über Russland hereingebrochenen Teleshop-Sendungen weitgehend aus dem Äther verbannt.
Fortsetzung folgt.
(epd).
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